K WIE KAPSTADT UND KONFRONTATIONSTHERAPIE

Als ich Anfang Februar diese Liste erstellt habe um kurz darauf nach Kapstadt aufzubrechen, hatte ich so einiges im Gepäck. Nicht nur 25,0 Kilo Klamotten & Co. wurden zum Check in geschleppt, sondern da war auch ganz schön viel seelischer Ballast mit von der Partie, der sich ganz klammheimlich zwischen Socken und T-shirts versteckt hatte.

So saß ich also plötzlich Samstag Abends im Flieger von Hamburg nach München und ehe ich es mich versah, startete Flieger Nummer zwei von München gen Kapstadt. Keine 30 Minuten nach dem Start (die erste Portion Flugzeugfutter war verspeist und unaufhörlich lief eine Folge Downton Abbey nach der anderen) merke ich, wie mit jeder zurückgelegten Flugmeile ein klein wenig mehr Gewicht von meinen Schultern schwand. Die Welt zog unter mir vorbei und ich hatte die Gewissheit in ca. 12 Stunden in Kapstadt zu landen ohne mich um irgend etwas kümmern zu müssen. Ein wunderbares Gefühl, die Fäden mal aus der Hand geben zu können.

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Seit vielen vielen Jahren mein erster RICHTIGER Urlaub. Lange hatte ich in den der Vergangenheit darauf gewartet mit meinem Freund in den Urlaub zu fliegen. Entweder hatte Mann die Zeit nicht, oder das Geld – irgendwelche Ausreden gab es immer. Im Nachhinein sage ich: vielleicht sollte es einfach nicht klappen! Nachdem wir nun bereits lange Zeit getrennt sind habe ich im vergangenen Jahr endlich den Mut gefasst und in einer Nacht und Nebel Aktion ziemlich spontan meine Flüge für drei Wochen Kapstadt gebucht. Eigentlich war es eine Flucht.

Weglaufen vor dem Alltag
Weglaufen vor Kummer, Sorgen und Ängsten.
Weglaufen vor der Zukunft.
Die Flucht vor mir selbst.

Was mache ich falsch? Diese Frage quälte mich seit Monaten – Tag und Nacht. Ich hatte unglaubliche Existenzängste ohne wirklich erklären zu können woher sie kamen. Mir zwängte sich dieses schreckliche Gefühl auf, dass mich mein Leben längst überholt hatte und ich langsam und träge hinterher schlurfte um die Konfettireste am Strassenrand aufzufegen.

Kaum in Kapstadt angekommen, übernahm das Schicksal Regie und machte mir auf ziemlich schmerzhafte Art und Weise klar, dass auch ich nicht alles planen kann: Meine Kreditkarte funktionierte nicht, mein Handy wurde geklaut, ich verbrachte einen Abend bei der Polizei statt beim Abendessen mit Freunden und um das Ganze noch zu toppen wurde ich von einem fiesen Magen-Darm Virus in die Knie gezwungen und kurze Zeit später gab auch die funkelnagelneue Kamera (extra für den Urlaub angeschafft) den Geist auf. Erfolg auf ganzer Linie – NICHT!
Wieder stellte ich mir die Frage: Was mache ich falsch? Warum immer ich?

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Im Nachhinein betrachtet glaube ich, dass mir der liebe Gott oder irgend eine andere höhere Macht deutlich machen wollte, dass es dringend an der Zeit ist wieder zu mir selbst zu finde. Zeit, die Geschwindigkeit raus zu nehmen und sich mal wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Ich habe geweint, ich habe geflucht, geschrien und war kurz davor meinen Urlaub frühzeitig abzubrechen. Aber ich bin da geblieben, habe die Situation ausgehalten, gelernt zu akzeptieren und das Positive für mich daraus zu ziehen.
Kapstadt hat mir so einiges beigebracht in den drei Wochen: Die größten Abenteuer erlebst du dann, wenn du es schaffst dich frei zu machen. Wenn du dich traust einen Schritt weiter zu gehen, den Alltag hinter dir zu lassen und Neues zuzulassen. Saug‘ alles in dir auf und öffne jede Faser deines Körpers um deine Umgebung wahrzunehmen. Bilder, Gerüche, Emotionen – deine Empfindungen kannst du nicht auf Facebook posten. Das Abenteuer beginnt dann, wenn du endlich aufhörst auf dein Handy zu starren um die soeben geschossenen Bilder mit Filtern noch schöner zu machen. Wenn du dir die Zeit nimmst das Leben wieder wahrzunehmen, dann spürst du plötzlich wieder, wie lebendig du sein kannst!

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Mittlerweile bin ich wieder 2 Monate zurück in Deutschland und ich sag euch was: beim Rückflug hatte ich nur noch 23,0 kg im Koffer und ich habe richtig gemerkt, wie ich einige meiner Sorgen und Ängste in Kapstadt zurück lassen konnte. Was ursprünglich mal die Flucht vor mir Selbst war, entpuppte sich als wahre Konfrontationstherapie.

Kapstadt hat einiges in meinem Leben verändert: ich habe nicht nur meinen Nebenjob gekündigt sondern auch meinen Hauptjob. Ich habe ein neues Handy (mit deutlich kürzerer Kontaktliste als vorher) und ich habe meine Prioritäten anders verteilt. Aber dazu erzähle ich euch vielleicht ein andermal mehr. Jetzt wünsche ich erst einmal jedem einzelnen von euch ganz viel Kraft für die neue Woche. Geht hinaus in die Welt, saugt alles auf was ihr finden könnt und geniesst es hier zu sein. #FrohDabeiZuSein

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Kategorie Travel

Hej hej, ich bin Lisa. Naturkind, sturmverrückt und Surferbraut im Herzen. Solange der Wind mit meinen Haaren spielt und ich dieses unverkennbare Kribbeln der Freiheit in den Fingerspitzen fühle, schlägt meines kleines Herzchen etwas schneller. Ich glaube an die große Liebe, die Seelenheilung durch heißen Kakao und daran, dass meine roten Gummistiefel Superkräfte verleihen. Ohne Kaffee bin ich morgens nicht aus dem Bett zu kriegen und für ein Blaubeermuffin würde ich selbst das Surfbrett links liegen lassen.

2 Kommentare

  1. Schön zu sehen dass dein Urlaub nach dem holprigen Start noch toll war und du noch so lange davon zerrst 🙂 #genießdentag 😉 LG

  2. Alexandra

    Das hast du schön geschrieben liebe Lisa. Das Leben bringt uns an Grenzen damit wir uns wieder auf das wesentliche besinnen und ärgerliche Erfahrungen sind dazu da um daran zu arbeiten sie nicht nochmal erleben zu müssen 😊 In diesem Sinne, liebe Grüße ❤️

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