Das Glück schmeckt nach Salami

Seit zwei Tage hatte ich einen unbändigen Heißhunger auf Salami. Am dritten Tag trieb mich während des schier endlosen Abstiegs von der Seescharte nach Zams immer nur der Gedanke an den Metzger weiter bergab. Leider trennten mich allerdings noch 2,5 Stunden Fußmarsch von meinem Ziel. Diese Etappe wollte und wollte einfach kein Ende nehmen: die Füße schmerzten, der Rucksack wurde immer schwerer und die Konzentration lies nach. Es war dringend Zeit für eine kleine Pause.

Also saß ich dort vor dieser Hütte, in Gedanken bei meinen Salami Sticks, als einer meiner Mitwanderer plötzlich eine ganze Wurst aus seinem Rucksack zieht und mir ein Stück anbietet. Heißhungrig beiße ich in das salzige Stück Fleisch hinein und spüre, wie mir das Wasser im Mund zusammen läuft. Ich beiße ein zweites Mal zu und denke mir, wie schön das Leben doch ist. Ich schließe die Augen und strecke mein Gesicht gen Himmel. Ein Lachen steigt in mir hoch. Freude durchflutet meinen ganzen Körper. Mit einem dritten, letzten Biss verschlinge ich den Rest meiner Salami. Und noch während ich dem Geschmack der Wurst in meinem Mund nachspüre, durchfährt mich plötzlich eine grundlegende Erkenntnis: über nichts im Leben hätte ich mich gerade so gefreut wie über dieses kleine Stück Salami!

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Ich frage mich, wann ich das letzte Mal ein derart überwältigendes körperliches Glücksgefühl empfunden habe. In meinem Kopf spielt sich ein Film ab: alle Erfolgssituationen die ich in den letzten Jahren erlebt habe, laufen an meinem inneren Auge vorbei. Ich denke daran, wie ich das erste mal eine Gehaltserhöhung ausgehandelt habe. Klar, empfand ich damals eine gewisse Zufriedenheit, aber nicht im Mindesten das wilde körperliche Gefühl, welches mir eben dieses einfache Stück Salami verschafft hat. Ich kann mich an keine Situation erinnern, die mich in einen derartigen Gefühlszustand versetzt hat – außer vielleicht als ich das letzte Mal so richtig frisch verliebt war. In diesem Moment, mitten im Nirwana der österreichischen Alpen wird mir schlagartig bewusst, dass ich vor meiner Reise einen solch unscheinbares Stück Salami niemals zu würdigen gewusst hätte. Wie so viele Menschen in meinem privaten und beruflichen Umfeld habe ich Glück mit Geld und Wertschätzung gleichgesetzt. Und je mehr Geld ich zur verfügung hatte, desto teurer musste die Belohnung ausfallen um mich glücklich zu fühlen. Meine „Glücksschwelle“ stieg also immer weiter nach oben.

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Die Alpenüberquerung hat mich eines besseren belehrt und mich auf den Boden der Tatsachen zurück geholt: meine Glücksschwelle senkt sich mit jedem Tag den ich unterwegs bin. Jeder einzelne Kilometer auf dieser Wanderung zeigt mir immer wieder auf, was ich wirklich brauche: Wasser, Essen und eine warme Jacke – und all das, wiegt nur wenige Kilo und passt problemlos in meinen Rucksack. Alles was über eben jenes Mindestmaß hinaus geht, verschafft mir hier oben in den Bergen ein überwältigendes Glücksgefühl: die erste warme Dusche nach drei Tagen, der erste Sonnenstrahl nach 6 Stunden Regen – oder eben ein unerwartetes Stück Salami von einem Mitwanderer.

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Kategorie Lifestyle, Outdoor

Hej hej, ich bin Lisa. Naturkind, sturmverrückt und Surferbraut im Herzen. Solange der Wind mit meinen Haaren spielt und ich dieses unverkennbare Kribbeln der Freiheit in den Fingerspitzen fühle, schlägt meines kleines Herzchen etwas schneller. Ich glaube an die große Liebe, die Seelenheilung durch heißen Kakao und daran, dass meine roten Gummistiefel Superkräfte verleihen. Ohne Kaffee bin ich morgens nicht aus dem Bett zu kriegen und für ein Blaubeermuffin würde ich selbst das Surfbrett links liegen lassen.

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