Kategorie: Hike

Wandern durch die Höllentalklamm

Wandern durch die Höllentalklamm – das stand schon seit langem auf meiner Wunsch-Liste, denn alles was ich bislang darüber gelesen hatte versprach ein märchenhaftes Naturspektakel. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.
Eigentlich hatte ich diese Tour immer als erste Etappe meiner 2-tägigen Zugspitzbesteigung geplant, da die aber noch ein bisschen auf mich warten muss, haben wir einfach eine gemütliche Tagestour draus gemacht. Das Ziel: Einmal Kaiserschmarren essen auf der Höllentalangerhütte und zurück.

Von Ehrwald aus machen wir uns am frühen Vormittag los in Richtung Garmisch-Patenkirchen, wo wir am Ortseingang von Hammersbach das Auto auf dem Wanderparkplatz abstellen (kostenpflichtig!). Von dort aus folgen wir den Beschilderungen in den Ort hinein und biegen nach kurzer Gehzeit an der Hammersbach Hütte auf den Wanderweg in Richtung Höllentalangerhütte ein. Zu Beginn der Tour laufen wir immer am Hammersbach entlang, aber schon bald überqueren wir eine Brücke und der Weg beginnt sich steil den Berg hinauf zu schlängeln. Wir kommen ordentlich ins Schwitzen – wohl dem, der langsam los wandert, denn es sollte sich herausstellen, dass noch einiges an Höhenmetern auf uns warteten!

Der erste Anstieg sollte nicht der letzte bleiben …

Nachdem der erste Anstieg geschafft ist, erreichen wir eine Forststrasse und der Weg wird wieder flacher. Auch der Wildbach läuft nun wieder parallel zum Wanderweg. Einige Uferstellen würden sich ganz wunderbar zum Baden anbieten, aber wir gehen weiter, schliesslich haben wir noch einiges vor uns. Vorbei an zwei Materialseilbahnen führt uns der Weg durch den Wald nochmals ein Stück bergauf, bis sich plötzlich die Bäume lichten und wir weit über das Höllental zurück blicken können. Was ein Ausblick!
Wir legen die letzten Meter über Stufen und Serpentinen zurück und stehen nach ca. einer Stunde Gehzeit ganz plötzlich vor einer kleinen Hütte, die samt ihrer Terrasse schier am Felsen festzukleben scheint: der Eingang der Höllentalklamm.

Eintritt für die Höllentalklamm

Wer durch die Klamm wandern möchte, muss Eintritt zahlen. Wenn man weiß warum, zahlt man diesen auch gerne: Die Höllentalklamm liegt direkt zwischen zwei Gebirgskämmen und es führen von beiden Seiten jeweils 3 große Lawinengebiete in die Klamm. Das heißt nicht nur, dass eine Begehung der Klamm im Winter vollkommen ausgeschlossen ist, sondern bedeutet auch, dass die Höllentalklamm jedes Frühjahr aufs neue mit einem erheblichen Aufwand durch professionelle Wegebaufirmen von Schnemassen bis zu 70m Höhe befreit wird. Ich mein: siebzig Meter Schnee – das muss man sich mal vorstellen!
Bevor die Saison startet, werden Jahr für Jahr alle Schäden beseitigt, sowie die Wege, Brücken und Tunnelanlangen abgesichert, dass Wanderer wie wir sicheren Fußes in den Sommermonaten von A nach B kommen. Da zahlt man doch gerne 5,00€ Eintritt, oder?! (Kleiner Tip: DAV Mitglieder zahlen sogar nur 2,00€, also Ausweis nicht vergessen.)

Wandern durch die Höllentalklamm

Nachdem wir den Eingang passiert und unsere Regenjacken angezogen haben, geht es endlich los und wir laufen schnurstracks rein, in ein unglaublich beeindruckendes Naturspektakel: der Hammersbach sucht sich als reißender Wildbach seinen Weg durch den Berg. In tosenden Wasserfällen wälzen sich die Wassermassen durch die engen Schluchten. Ich fühle mich ganz klein und doch so großartig.

Oberhalb des reißenden Flusses wurde ein Weg in den Berg gesprengt, der teilweise durch enge Tunnel und dunkle Stollen führt. Der Weg ist zur Schlucht hin mit Stahlseilen befestigt, allerdings bin ich heilfroh, dass wir festes Schuhwerk anhaben, denn das Wasser ist überall und die schmalen steinigen Wege über die wir laufen sind rutschig und glitschig.
Felsen strecken sich weit über unseren Köpfen dem Himmel entgegen und das Wasser spritz von allen Seiten. Alles ist feucht und ich bin heilfroh, dass wir die Fleecepullover und Regenjacken angezogen haben. Wir laufen immer weiter in die Klamm hinein und wechseln an zwei Stellen sogar über kleine Brücken die Klammseite. Ich kann mich gar nicht satt sehen, ich finde es atemberaubend schön.

Nach etwa einem Kilometer erreichen wir das Ende der Höllentalklamm und sind zurück am Tageslicht. Ein letztes Mal überqueren wir eine Brücke und befinden uns nun in der Betonrinne, die früher einmal zu einem Wasserkraftwerk gehört hat. Große Felsbrocken liegen überall verteilt und laden zur Brotzeit ein. Wir tauschen aber nur die Regenjacken gegen trockenes Gewand und machen uns weiter in Richtung Höllentalangerhütte. Noch ein letztes Mal schlängelt sich der Weg in Serpentinen steil bergauf und langsam werden die Beine müde, aber da wird es auch schon wieder flacher und vor uns erstreckt sich mit einem gewaltigen Ausblick das obere Höllental.

Die letzten Meter gehen wir wieder am Fluss entlang und erreichen nach ca 2,5h Gehzeit die Höllentalangerhütte. Da es recht frisch ist, machen wir es uns in der neu erbauten Hütten gemütlich und lassen uns den Kaiserschmarren so richtig schmecken bevor wir den Rückweg antreten.

Die Höllentalangerhütte

Die Höllentalangerhütte ist schon seit 1893 für erfahrene Bergsteiger der ideale Ausgangspunkt, um die Zugspitze von ihrer anspruchsvollen Seite über die berühmte Höllentalroute zu besteigen. In den ersten 100 Jahren gab es aufgrund von Lawinen und anderen Natureinflüssen zahlreiche Reparaturarbeiten. Aber auch die steigenden Besucherzahlen machten immer wieder zahlreiche An- und Umbauten notwendig.
Im jähr 2013 musste die ursprüngliche Höllentalangerhütte leider abgerissen werden, da sie nicht mehr den heutigen Anforderungen und Richtlinien entspräche. An ihrer Stelle wurde zwei Jahre lang die neue Höllentalangerhütte gebaut, die seit 2017 sogar mit dem Umweltgütesiegel der Alpenvereine ausgezeichnet wurde.
Wen es genauso interessiert wie mich: das Bayrische Fernsehen hat dazu eine Reportage produziert, die man sich nach wie vor hier in der Mediathek anschauen kann.

 

Übernachtung im Winterraum der Coburger Hütte

Manchmal sind spontane Ideen einfach die besten und so haben wir uns ins Auto gesetzt und sind kurzer Hand in Richtung Ehrwald gefahren. Unser Plan: Aufstieg zur Coburger Hütte samt Übernachtung im Winterraum, um unsere neuen Schlafsäcke zu testen. Kein großes Tamtam, keine große Tourenplanug, einfach drauf los und raus aus dem Alltag – Microadventure vom Feinsten!

Gegen Mittag parken wir das Auto an der Talstation der Ehrwalder Bergbahn, schultern die Rucksäcke und gönnen uns die Bergfahrt mit der Gondel. Nach 4h im Auto, wollen wir es entspannt angehen lassen. Keine 20 min später erwartet uns das Kontrastprogramm nach dem wir uns so gesehnt haben: drumherum nichts als Berge, kaum eine Menschenseele ist unterwegs und wir machen uns ganz entspannt auf den Weg in Richtung Seebensee – unser erstes Zwischenziel.

Von Ehrwald zum Seebensee

Die Almen an denen wir vorbei laufen haben zu dieser Jahreszeit noch alle geschlossen. Erst Anfang Juni beginnt der Bergsommer. Die Natur strahlt eine unglaubliche Ruhe aus und ich merke mal wieder, wie sehr das Laufen hilft, den Kopf frei zu bekommen. Einen Fuß vor den anderen setzend lassen wir den geschotterten Fahrtweg hinter uns und biegen auf einen romantischen Waldweg ein. Über Stock und Stein kommen wir gut voran und nach ca 1,5h erstreckt sich plötzlich der Seebensee vor uns. Eingebettet zwischen dem Vorderen Tajakopf im Osten, dem Vorderen Drachenkopf im Süden und der Ehrwalder Sonnenspitze im Westen liegt er da und sieht einfach wunderschön aus.

Vom See aus sehen wir linker Hand auch das erste Mal die Coburger Hütte, eingebettet in der Mieminger Kette – unser heutiges Ziel. Wir machen nicht lange Pause sondern beschliessen uns an den Aufstieg zu wagen, denn der verspricht nochmals spannend zu werden: normalerweise läuft man von der Talstation der Materialseilbahn in zahlreichen Serpentinen hinauf zur Hütte auf 1917m. Normalerweise. Für mich erfüllt sich aber das befürchtete Horrorszenario: der Schnee ist noch nicht weg.

Aufstieg vom Seebensee zur Coburger Hütte

Die Serpentinen zur Hütte rauf sind immerhin zu erahnen und Gott sei Dank sehen wir die Hütte schon über uns. Mit dem Ziel fest vor Augen und viel gutem Zureden, kämpfe ich Schritt vor Schritt gegen meine Angst an, die mich (warum auch immer) bei Schneefeldern immer wieder aufs neue komplett blockiert.

Auf der Coburger Hütte angekommen genießen wir den fantastischen Ausblick über den Seebensee und richten uns im gemütlichen Winterraum ein. Im Häuschen der Materialseilbahn gibt es ein kleines Matratzenlager und in der Stube steht sogar ein Holzofen. Allerdings ist um diese Jahreszeit das Holz restlos aufgebraucht. Gut, dass wir extra den Gaskocher eingepackt haben! Nach einer zünftigen Brotzeit und Zähneputzen mit Aussicht, kuscheln wir uns in die Schlafsäcke und beglückwünschen uns selbst zu der grandiosen Idee, dass wir am Morgen ins Auto gestiegen sind, um ein wenig Abenteuerluft zu schnuppern.

Übernachtung im Winterraum

In der Nacht zieht Gewitter auf. Es stürmt und regnet, aber im Winterraum der Coburger Hütte sind wir sicher und unsere neuen Schlafsäcke entpuppen sich als absoluter Glücksgriff: die sind nämlich nicht nur kuschelig und sehen gut aus, sondern halten auch einwandfrei warm.
Am nächsten Morgen erwartet uns feinstes Kaiserwetter: strahlend blauer Himmel und Sonnenschein.

Wir lassen uns Zeit und starten ganz entspannt mit Kaffee und Nutellabrot in den Tag. Dort sitze ich also an der Hauswand, mit der Sonne im Gesicht und den Bergen vor der Nase und bin einfach glücklich im Hier und Jetzt.

Sometimes life is about doing. You don’t need a reason for everything in your life. Do it because you want to. Because it’s fun. Because it makes you happy. And because the memories will last forever. #mountaingirl

 

Wandern rund um den Dörnberg im Naturpark Habichtswald

Es gibt kein schlechtes Wetter – es gibt nur schlechte Kleidung! Nicht zum ersten Mal hat mich dieser Grundsatz trotz Regenvorhersage und Sturmtief nach draußen getrieben. Dick eingepackt in Primaloft und Hardshelljacke ging es los in Richtung Dörnberg.

Bei Instagram war ich vor kurzem durch Zufall auf ein Bild vom Hohen Dörrberg im Naturpark Habichtswald gestoßen und hatte mich schon die ganze Woche auf diesen Ausflug gefreut. Nach einer guten halben Stunde Autofahrt von Kassel aus, parke ich also mein Auto am Parkplatz des Bergcafé “Friedrichstein”, schnüre die Wanderschuhe und marschiere los.

Eco Pfad Archäologie Dörnberg im Naturpark Habichtswald

Der Parkplatz ist der perfekte Ausgangsort für die Rundwanderung auf dem Eco Pfad welcher mich laut Wanderführer einmal rund um das Dörnbergassiv herum führen soll. An dieser Stelle muss ich allerdings zugeben, dass ich mich aufgrund meines angeschlagenen Knies erst mal wieder ganz langsam ans Wandern herantasten muss und somit auch nicht den gesamten Weg gelaufen bin.

Meine verkürzte Wandertour führte mich vom Islandpferdehof Friedrichstein aus zunächst durch ein kurzes Waldstück, später quer über eine Weide stetig bergauf bis zum Hohlestein (476,6m). Der Zustieg ist bei schlechtem Wetter nicht zu empfehlen und es wird ausdrücklich davor gewarnt – ich muss gestehen: die Warnung ist durchaus berechtigt! Es hatte Tags zuvor ordentlich geregnet und der Boden ist extrem rutschig und aufgeweicht. Dank gutem Schuhwerk komme ich aber dennoch heile oben an – heilfroh darüber, dass ich dank des Rundweges nicht die selbe glitschige Strecke bergab nehmen muss um zurück zu kommen. 😉

Vom Hohlestein aus geht es zunächst wieder bergab. Diesmal quere ich die Flug- und Landebahn des Segelfliegervereins Dörnberg. Trotz des aufziehenden Sturms ziehen die Flieger ihre stillen Kreise hoch über mir. Ob sie mich von dort oben wohl genauso beobachten wie ich sie von hier unten?

Weitblick vom Helfenstein

Kurz und knackig geht es nochmals über die Wiese bergauf bis ich endlich am Fuße des ca 510 Meter hohen Helfensteins stehe. Am südlichen Helfenstein gibt es eine Art Treppe und natürlich lasse ich es mir nicht nehmen trotz Knieprobleme rauf zu kraxeln. (Runter kommt man ja bekanntlich immer irgendwie. ;))

Und was soll ich sagen?! Es sich gelohnt.
Es windet wie verrückt, einmal mehr bin ich froh die dicke Jacke angezogen zu haben – aber die Aussicht ist sensationell. Ich stehe alleine dort oben auf diesem Felsen, der Wind saust mir um die Ohren und zu meinen Füßen erstreckt sich ein kunterbunt gefärbter Laubwald wie er schöner nicht sein könnte. Einmal mehr spüre ich, wie sehr mir das Wandern in den letzten Wochen und Monaten gefehlt hat und mich erfüllt ein unglaublicher Stolz, dass ich es seit meinem Unfall zumindest wieder so weit geschafft habe, hier und jetzt aus eigener Kraft stehen zu können.

TOURENINFO: Eco Pfad Archäologie Dörnberg im Naturpark Habichtswald

Für den Eco Pfad Archäologie Dörnberg wird festes Schuhwerk empfohlen.
Außerdem ist Vorsicht geboten: Der Weg führt über eine Viehweide mit einem Elektrozaun!
Der Aufstieg auf den Hohlestein ist sehr schwierig und nur für geübte Kletterer geeignet!(Aufstieg auf eigene Gefahr, Haftung ausgeschlossen)

Adresse für Anfahrt mit dem Auto + Parkmöglichkeiten:
Bergcafe Friedrichstein
Friedrichshain 7, 34289 Zierenberg

Distanz: 9,6 km*
Dauer: 15 Std*
Aufstieg: 390 m*
Abstieg: 390 m*
*Achtung: Die Angaben beziehen sich auf den gesamten Rundweg! 

Einkehrmöglichkeiten:
• Bergcafe Friedrichstein
• Zentrum Helfensteine
• Gaststätte Dörnberghaus

Rundtour Kaisergebirge – Tag 2: Bettlersteig

Nach einer entspannten Nacht und einem ausgiebigen Frühstück am Weinbergerhaus steht für uns am zweiten Tag am Kaisergebirge der Bettlersteig auf dem Programm. Allerdings beschließen wir spontan eine kleine Variation zu laufen, um den Gamskogel noch mitzunehmen.
Klar – Gipfel die Gamskogel heißen gibt es viele, aber eben jener Gamskogel ist doch ein kleines Highlight auf unserer Wanderung: trotz geringer Höhe werden wir nach dem 950 Hm Aufstieg mit einem atemberaubenden Ausblick zum gegenüberliegenden Kaisertal, unserem Ziel- dem Stripsenjoch und (nicht zu vergessen) dem zahmen und wilden Kaiser belohnt.

Durch den Märchenwald zum Gamskogel

Der Weg vom Weinbergerhaus führt zunächst über breite Forstwege bergab bis zum Brentenjoch (1.200 hm). Von hier aus geht es halb links über einen unscheinbaren Pfad stetig bergauf.  Ab hier wird der Weg in Richtung Gipfel ein wenig anspruchsvoller und ist konditionell nicht zu unterschätzen. Der Aufstieg schlängelt sich auf einem märchenhaften Pfad durch den Wald, bis sich die Bäume lichten und wir nach ca 45 min den Gipfel samt Gipfelkreuz auf 1.450 Hm erreichen.

 

Nach eine kurzen Trink- und Fotopause geht’s frohen Mutes und flotten Schrittes weiter: vom Gamskogel aus kämpfen wir uns zunächst durch steil abfallendes Gelände, später durch den Wald und dann über idyllische Almwiesen. Keine Menschenseele kommt uns entgegen. Die Sonne scheint und der Himmel ist strahlend blau – wir fühlen uns wie im Paradies.
Nach ca 2h treffen wir mitten auf der Alm auf die Abzweigung in Richtung Bettlersteig.

Ausgesetzte Wege und Drahtseilsicherung am Bettlersteig

Der Bettlersteig beginnt für uns mit der Durchquerung einer Schlucht. Trittsicherheit ist hier dringend erforderlich: der Winter hat Spuren hinterlassen, lose Steine überall und rutschige Schotterwege. Gott sei Dank war es die letzten Tage recht trocken, sodass der Waldboden nicht matschig ist. Teilweise geht es rechts steil hinunter, Treppen weisen uns den Weg bergab und erleichtern den Abstieg. Wieder einmal bin ich froh um meine Stöcke mit denen ich seit letztem Jahr unterwegs bin!

Wir stoßen auf eine kurze Passage an denen der Weg ausgesetzt und mit Drahtseil abgesichert ist. Es geht steil bergab, aber gemeinschaftlich bewältigen wir auch diese Schwierigkeit und wandern mit guter Laune weiter zum nächsten Sattel, wo nach einem knackigen Anstieg über saftige Almwiesen die Jagdhütte Straßwalch auftaucht. Wir fühlen uns als hätten wir gerade eine Kulisse von “Heidi” betreten. Es würde mich nicht wundern, wenn gleich der Ziegenpeter pfeifend um die Ecke kommt. Die Jagdhütte bietet einen schönen Platz zur Rast, es gibt sogar einen Brunnen um die Wasserflaschen aufzufüllen.

Von der Jagdhütte Straßwalch zum Hinterbärenbad

Doch uns zieht es weiter. Wir haben schon genug getrödelt heute und haben noch einiges vor uns. Über Bäche und bequeme Waldwege wandern wir weiter Richtung Hinterbärenbad. In den letzten 30min durchqueren wir insgesamt 6 Bäche und lassen es uns nicht nehmen unsere Flaschen mit dem klaren Quellwasser zu füllen. Es schmeckt fantastisch!
Der Steig ist gut ausgebaut und wir erreichen nach ca. 4h entspanntem Gehen das Anton-Karg-Haus (früher als Hinterbärenbad bekannt) auf 325Hm. Langsam werden die Beine müde und wir beschliessen noch 15 min weiter zu laufen bis zum Hans-Berger-Haus wo wir bei Radler und Spinatknödeln eine ausgiebige Rast einlegen bevor wir den letzten Aufstieg des Tages in Angriff nehmen.

Vom Hans-Berger-Haus auf die “Strips”

Auf 1.577hm thront hoch über uns das Stripsenjochhaus – unser heutiges Tagesziel. Nach der längeren Pause merken wir, dass uns die letzten 4h Gehzeit schon ziemlich in den Beinen stecken, aber gemeinsam packen wir’s an: 1,5h Aufstieg und 640Hm liegen vor uns.
Direkt hinterm Hans-Berger-Haus wird der bisherige bequeme Wanderweg zum Steig. Mit imposantem Einblick in die berühmte Totenkirchlwestwand, windet er sich in Serpentinen nach oben. Das Wetter verschlechtert sich zunehmend und wir erreichen die “Strips” nach einem flottem Marsch bergauf. Empfangen werden wir mit kräftigem Wind und Nieselregen. Der Nebel hängt dicht zwischen den Gipfeln – sehen tun wir leider nicht viel.
Umso mehr freuen wir uns über eine warme Dusche, den heißen Ofen in der Gaststube und eine wärmende Gulaschsuppe.

Rundtour Kaisergebirge – Tag 1: Weinbergerhaus

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Wenn der Berg schon bis nach Hamburg ruft, wird es dringend Zeit mal wieder in den Süden zu fahren. Wir haben das lange Christi Himmelfahrt Wochenende genutzt um die Wandersaison einzuläuten und sind zu viert aufgebrochen, um das Kaisergebirge zu erkunden.

Wandern am Wilden Kaiser

Da das Kaisergebirge eher als Klettermekka bekannt ist, war die Planung der Tour für mich persönlich eine ganz besondere Challenge: unbekanntes Gebiet, hohes Wetterrisiko und verhältnismäßig wenige Hütten. Außerdem war es für zwei aus unserer Truppe die erste mehrtägige Wanderung und die erste Hüttentour in Tirol sollte schließlich nicht im absoluten Desaster enden.

Nach eingehender Recherche hatten wir uns dazu entschieden, die Wanderung am Kaiserlift in Kufstein zu beginnen und über den Bettlersteig zunächst einmal aufs Stripsenjochhaus aufzusteigen. Mit Hilfe einer eigenes von mir erstellen Packliste, waren die Rucksäcke schnell geschnürt und los ging es am frühen Morgen von Hamburg in Richtung Kaisergebirge.

Eigentlich wollten wir am ersten Abend zum “einlaufen” vom Parkplatz Kaiserlift bis hoch zum Weinbergerhaus laufen. Nachdem uns aber auf der 10-stündigen Autofahrt von Hamburg nach Kufstein die Klimaanlage im Stich gelassen hatte, gönnen wir uns den Luxus und fahren mit der Sesselbahn zwei Stationen auf den Stadtberg. Im Nachhinein muss sich sogar sagen, es war ein Erlebnis das ich nicht hätte verpassen wollen. Der Kaiserlift entpuppt sich nämlich als Einer-Sessellift welcher erst 2014 komplett restauriert wurde – Nostalgie pur!

Willkommen im Kaisergebirge

Nach 20 min entspannter Fahrt erwartet uns oben am Berg ein unberührtes Naturparadies. Von der Bergstation aus sind es nur noch wenige Meter bis zum Weinbergerhaus welches wunderhübsch auf 1272 Hm über Kufstein am Berg drohnt. Kaum den Rucksack abgesetzt und das erste Radler bestellt, holt mich die Aussicht sofort ins Hier und Jetzt. Endlich bin ich wieder da wo ich hingehöre. In Österreich, am Berg mit Rucksack und Wanderschuhen. Mehr braucht es nicht um glücklich zu sein.

Weinbergerhaus = Apfelstrudelhimmel

Im Weinbergerhaus verbringen wir unsere erste Nacht – leider keine DAV Hütte, dafür aber überdurchschnittlicher Komfort! Für ca 50€ schlafen wir in sehr bequemen Hochbetten, inkl. Frühstück, Bettwäsche und Handtüchern – was ein Service! Und das Essen ist ein Traum. Mein persönliches Highlight: die selbst geschabten Kasspatzen und der hausgemachte Apfelstrudel. Unbedingt probieren wenn ihr mal dort seid!

Alpenüberquerung E5 | Etappe 1

Die Entscheidung war endgültig gefallen: ich laufe die Alpenüberquerung über den E5 – alleine als Frau. Koste es was es wolle. Mein erstes Etappen-Ziel: die Kemptner Hütte. Ich nehme also all meinen Mut zusammen, schultere den Rucksack und stapfte los. Es wär ja noch schöner, wenn ich mich jetzt vom strömenden Regeln abhalten lasse und aufgebe bevor ich überhaupt angefangen habe. Während ich langsam einen Fuß vor den anderen setze, schiessen mir wieder all die Bedenken in den Kopf, die ich mir in den letzten Tagen und Wochen anhören musste:  Weiterlesen

Alpenüberquerung E5 – alleine unterwegs

Grauer Nebel und Nieselregen. So begrüßt mich Oberstdorf als ich aus dem Zug steige um meine Alpenüberquerung in Angriff zu nehmen. Es ist Sonntag, der Linienbus fährt um diese Uhrzeit nicht mehr. Das fängt ja gut an. Auf dem Weg zum Taxistand begegne ich keiner Menschenseele und auch mein Klingeln und Klopfen an der Tür der Zentrale ist erfolglos. Ich stehe dort mit meinem viel zu schweren Rucksack und habe keine Ahnung, wie ich um diese Uhrzeit noch ins Hotel kommen soll, geschweige denn, innerhalb von 8 Tagen nach Meran. Zu Fuß.

Kommt Zeit kommt Rat denke ich mir und nehme auf der überdachten Bank vor der Taxizentrale Platz. Meine Zweifel wachsen und ich kann die immer lauter werdende Stimme tief in mir drin nicht mehr ignorieren: was zur Hölle mache ich hier eigentlich? Traue ich mir das wirklich zu, alleine als Hamburger Deern über die Alpen zu laufen. Einfach so. Morgen früh – Schuhe an und los?!

Letzte Chance … vorbei

Bevor ich auf der Stelle kehrt machen kann um mich zurück in den nächsten Zug gen Hamburg zu flüchten, fährt Gott sei Dank das Taxi auf den Hof und bringt mich wohl behalten zum Explorer Hotel, wo ich mir noch diese letzte Nacht in einem anständigen Bett mit reichhaltigen Frühstück am nächsten Morgen gönne.

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Auch nach einer sehr unruhigen Nacht ändert sich das Wetter nicht. Im Gegenteil. Von den an mein Fenster klopfenden Regentropfen werde ich geweckt. Ich lasse noch einen Moment die Augen zu, in der Hoffnung, dass sich der Regen weg träumen lässt – aber keine Chance. Nass, kalt und grau begrüßt mich dieser Montag. Meine Stimmung hat noch vor dem Aufstehen den absoluten Tiefpunkt erreicht. Ich checke den Wetterbericht auf der Alpenvereinsseite und meine größe Befürchtung bestätigt sich: im Laufe der nächsten Tage soll es durchgehend regnen und die Schneegrenze kommt auf 1.800 Hm runter. Jackpot.

Alpenüberquerung alleine – ganz sicher?!

Auch die Mitarbeiter des Hotels sind von meinem Vorhaben die Alpenüberquerung alleine zu laufen nicht sonderlich begeistert. Ich führe in den 24 Stunden vor meinem Aufbuch ein und den selben Dialog ganze drei Mal:

• Mit welcher Bergschule läufst du denn los? 
– Mit gar keiner, ich laufe alleine.
• Und wo haben deine Freunde übernachtet?
– Wie gesagt, ich laufe alleine.
• Hast du das schon mal gemacht?
– Ich war schon öfters in den Bergen, aber das ist meine erste Tour alleine.
• Wow – ist dir bewusst was dich da erwartet?
– Ich kann es es mir grob vorstellen, bin gut vorbereitet und werde es aus mich zukommen lassen.
• Okay … wo kommst du denn her?
– Aus Hamburg.
– Ach herjee …. hast du überhaupt die richtigen Schuhe dabei?
– Dank Dachstein bin ich bestens ausgerüstet.
– Du weißt aber schon, dass der Schnee kommt?
– Ja ich habe mich informiert und wenn es so sein sollte muss ich abbrechen.
– Bist du überhaupt versichert? – es werden regelmäßig Wanderer von der Bergrettung abgeholt, die sich maßlos überschätzen.
– Danke der Nachfrage, ich bin stolzes Mitglied im DAV Hamburg und mit dem Schlimmsten will ich nicht rechnen.

Zwei dieser Gespräche enden damit, dass mir die Therme in Oberstdorf als optimales Ausflugsziel an Regentagen ans Herz gelegt wird. Na vielen Dank auch – mit dem Zuspruch von allem Seiten kann ja nichts mehr schief gehen!

Nachdem ich meine Tasche mit allem was nicht in den Rucksack gehört im Explorer Hotel für die nächsten Tage sicher eingeschlossen habe, mache ich mich auf zur Bushaltestelle. Der erste Bus kommt gar nicht, der zweite Busfahrer lässt mich wortwörtlich einfach im Regen stehen. Wie hätte es an diesem Morgen auch anders sein sollen? Wild entschlossen mich nicht unterkriegen zu lassen, rufe ich mir ein Taxi und lasse mich am Hotel abholen. Einziger Nachteil: der oben skizzierte Dialog spielt sich noch ein viertes Mal zwischen dem Taxifahrer und mir ab. Einziger Unterschied: ich verheimliche ihm diesmal, dass ich aus Hamburg komme und dass mein Ziel Meran ist, schliesslich lerne ich auch dazu. 😉

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Am Bahnhof angekommen geht es zu Fuß weiter in Richtung katholische Kirche. Die Beschilderung des Wanderweges lässt zu wünschen übrig und ich bin froh auf einige Menschen zu treffen, die mir den Weg weisen können. Die ersten 20 Minuten laufe ich an der Straße lang geplagt von immer größer werdenden Zweifeln. Soll ich wirklich los laufen? JEDER rät mir davon ab. Tausend Stimmen schwirren durch meinen Kopf. Was soll ich tun?

Hör auf dein Herz!

Durchgefroren und nass wie ich bin, beschliesse ich in der Loretto Kapelle eine Pause einzulegen, um zwischen all den Stimmen meine eigene wieder zu finden. Dort in dieser kleinen Wallfahrtskapelle fasse ich einen Entschluss: egal was alle anderen sagen ich werde laufen. Zumindest bis zur Kemptner Hütte. Und nach einem heißen Kakao und einem Kaiserschmarren auf der Hütten, werde ich morgen früh je nach Wetterlage entscheiden ob ich meine Tour fortsetze oder umkehren muss. Aber zumindest die erste Etappe will ich schaffen. Ich will es wenigstens versucht haben. Mein Entschluss steht fest: E5 ich komme!

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