Kategorie: Outdoor

Wandern durch die Höllentalklamm

Wandern durch die Höllentalklamm – das stand schon seit langem auf meiner Wunsch-Liste, denn alles was ich bislang darüber gelesen hatte versprach ein märchenhaftes Naturspektakel. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.
Eigentlich hatte ich diese Tour immer als erste Etappe meiner 2-tägigen Zugspitzbesteigung geplant, da die aber noch ein bisschen auf mich warten muss, haben wir einfach eine gemütliche Tagestour draus gemacht. Das Ziel: Einmal Kaiserschmarren essen auf der Höllentalangerhütte und zurück.

Von Ehrwald aus machen wir uns am frühen Vormittag los in Richtung Garmisch-Patenkirchen, wo wir am Ortseingang von Hammersbach das Auto auf dem Wanderparkplatz abstellen (kostenpflichtig!). Von dort aus folgen wir den Beschilderungen in den Ort hinein und biegen nach kurzer Gehzeit an der Hammersbach Hütte auf den Wanderweg in Richtung Höllentalangerhütte ein. Zu Beginn der Tour laufen wir immer am Hammersbach entlang, aber schon bald überqueren wir eine Brücke und der Weg beginnt sich steil den Berg hinauf zu schlängeln. Wir kommen ordentlich ins Schwitzen – wohl dem, der langsam los wandert, denn es sollte sich herausstellen, dass noch einiges an Höhenmetern auf uns warteten!

Der erste Anstieg sollte nicht der letzte bleiben …

Nachdem der erste Anstieg geschafft ist, erreichen wir eine Forststrasse und der Weg wird wieder flacher. Auch der Wildbach läuft nun wieder parallel zum Wanderweg. Einige Uferstellen würden sich ganz wunderbar zum Baden anbieten, aber wir gehen weiter, schliesslich haben wir noch einiges vor uns. Vorbei an zwei Materialseilbahnen führt uns der Weg durch den Wald nochmals ein Stück bergauf, bis sich plötzlich die Bäume lichten und wir weit über das Höllental zurück blicken können. Was ein Ausblick!
Wir legen die letzten Meter über Stufen und Serpentinen zurück und stehen nach ca. einer Stunde Gehzeit ganz plötzlich vor einer kleinen Hütte, die samt ihrer Terrasse schier am Felsen festzukleben scheint: der Eingang der Höllentalklamm.

Eintritt für die Höllentalklamm

Wer durch die Klamm wandern möchte, muss Eintritt zahlen. Wenn man weiß warum, zahlt man diesen auch gerne: Die Höllentalklamm liegt direkt zwischen zwei Gebirgskämmen und es führen von beiden Seiten jeweils 3 große Lawinengebiete in die Klamm. Das heißt nicht nur, dass eine Begehung der Klamm im Winter vollkommen ausgeschlossen ist, sondern bedeutet auch, dass die Höllentalklamm jedes Frühjahr aufs neue mit einem erheblichen Aufwand durch professionelle Wegebaufirmen von Schnemassen bis zu 70m Höhe befreit wird. Ich mein: siebzig Meter Schnee – das muss man sich mal vorstellen!
Bevor die Saison startet, werden Jahr für Jahr alle Schäden beseitigt, sowie die Wege, Brücken und Tunnelanlangen abgesichert, dass Wanderer wie wir sicheren Fußes in den Sommermonaten von A nach B kommen. Da zahlt man doch gerne 5,00€ Eintritt, oder?! (Kleiner Tip: DAV Mitglieder zahlen sogar nur 2,00€, also Ausweis nicht vergessen.)

Wandern durch die Höllentalklamm

Nachdem wir den Eingang passiert und unsere Regenjacken angezogen haben, geht es endlich los und wir laufen schnurstracks rein, in ein unglaublich beeindruckendes Naturspektakel: der Hammersbach sucht sich als reißender Wildbach seinen Weg durch den Berg. In tosenden Wasserfällen wälzen sich die Wassermassen durch die engen Schluchten. Ich fühle mich ganz klein und doch so großartig.

Oberhalb des reißenden Flusses wurde ein Weg in den Berg gesprengt, der teilweise durch enge Tunnel und dunkle Stollen führt. Der Weg ist zur Schlucht hin mit Stahlseilen befestigt, allerdings bin ich heilfroh, dass wir festes Schuhwerk anhaben, denn das Wasser ist überall und die schmalen steinigen Wege über die wir laufen sind rutschig und glitschig.
Felsen strecken sich weit über unseren Köpfen dem Himmel entgegen und das Wasser spritz von allen Seiten. Alles ist feucht und ich bin heilfroh, dass wir die Fleecepullover und Regenjacken angezogen haben. Wir laufen immer weiter in die Klamm hinein und wechseln an zwei Stellen sogar über kleine Brücken die Klammseite. Ich kann mich gar nicht satt sehen, ich finde es atemberaubend schön.

Nach etwa einem Kilometer erreichen wir das Ende der Höllentalklamm und sind zurück am Tageslicht. Ein letztes Mal überqueren wir eine Brücke und befinden uns nun in der Betonrinne, die früher einmal zu einem Wasserkraftwerk gehört hat. Große Felsbrocken liegen überall verteilt und laden zur Brotzeit ein. Wir tauschen aber nur die Regenjacken gegen trockenes Gewand und machen uns weiter in Richtung Höllentalangerhütte. Noch ein letztes Mal schlängelt sich der Weg in Serpentinen steil bergauf und langsam werden die Beine müde, aber da wird es auch schon wieder flacher und vor uns erstreckt sich mit einem gewaltigen Ausblick das obere Höllental.

Die letzten Meter gehen wir wieder am Fluss entlang und erreichen nach ca 2,5h Gehzeit die Höllentalangerhütte. Da es recht frisch ist, machen wir es uns in der neu erbauten Hütten gemütlich und lassen uns den Kaiserschmarren so richtig schmecken bevor wir den Rückweg antreten.

Die Höllentalangerhütte

Die Höllentalangerhütte ist schon seit 1893 für erfahrene Bergsteiger der ideale Ausgangspunkt, um die Zugspitze von ihrer anspruchsvollen Seite über die berühmte Höllentalroute zu besteigen. In den ersten 100 Jahren gab es aufgrund von Lawinen und anderen Natureinflüssen zahlreiche Reparaturarbeiten. Aber auch die steigenden Besucherzahlen machten immer wieder zahlreiche An- und Umbauten notwendig.
Im jähr 2013 musste die ursprüngliche Höllentalangerhütte leider abgerissen werden, da sie nicht mehr den heutigen Anforderungen und Richtlinien entspräche. An ihrer Stelle wurde zwei Jahre lang die neue Höllentalangerhütte gebaut, die seit 2017 sogar mit dem Umweltgütesiegel der Alpenvereine ausgezeichnet wurde.
Wen es genauso interessiert wie mich: das Bayrische Fernsehen hat dazu eine Reportage produziert, die man sich nach wie vor hier in der Mediathek anschauen kann.

 

Übernachtung im Winterraum der Coburger Hütte

Manchmal sind spontane Ideen einfach die besten und so haben wir uns ins Auto gesetzt und sind kurzer Hand in Richtung Ehrwald gefahren. Unser Plan: Aufstieg zur Coburger Hütte samt Übernachtung im Winterraum, um unsere neuen Schlafsäcke zu testen. Kein großes Tamtam, keine große Tourenplanug, einfach drauf los und raus aus dem Alltag – Microadventure vom Feinsten!

Gegen Mittag parken wir das Auto an der Talstation der Ehrwalder Bergbahn, schultern die Rucksäcke und gönnen uns die Bergfahrt mit der Gondel. Nach 4h im Auto, wollen wir es entspannt angehen lassen. Keine 20 min später erwartet uns das Kontrastprogramm nach dem wir uns so gesehnt haben: drumherum nichts als Berge, kaum eine Menschenseele ist unterwegs und wir machen uns ganz entspannt auf den Weg in Richtung Seebensee – unser erstes Zwischenziel.

Von Ehrwald zum Seebensee

Die Almen an denen wir vorbei laufen haben zu dieser Jahreszeit noch alle geschlossen. Erst Anfang Juni beginnt der Bergsommer. Die Natur strahlt eine unglaubliche Ruhe aus und ich merke mal wieder, wie sehr das Laufen hilft, den Kopf frei zu bekommen. Einen Fuß vor den anderen setzend lassen wir den geschotterten Fahrtweg hinter uns und biegen auf einen romantischen Waldweg ein. Über Stock und Stein kommen wir gut voran und nach ca 1,5h erstreckt sich plötzlich der Seebensee vor uns. Eingebettet zwischen dem Vorderen Tajakopf im Osten, dem Vorderen Drachenkopf im Süden und der Ehrwalder Sonnenspitze im Westen liegt er da und sieht einfach wunderschön aus.

Vom See aus sehen wir linker Hand auch das erste Mal die Coburger Hütte, eingebettet in der Mieminger Kette – unser heutiges Ziel. Wir machen nicht lange Pause sondern beschliessen uns an den Aufstieg zu wagen, denn der verspricht nochmals spannend zu werden: normalerweise läuft man von der Talstation der Materialseilbahn in zahlreichen Serpentinen hinauf zur Hütte auf 1917m. Normalerweise. Für mich erfüllt sich aber das befürchtete Horrorszenario: der Schnee ist noch nicht weg.

Aufstieg vom Seebensee zur Coburger Hütte

Die Serpentinen zur Hütte rauf sind immerhin zu erahnen und Gott sei Dank sehen wir die Hütte schon über uns. Mit dem Ziel fest vor Augen und viel gutem Zureden, kämpfe ich Schritt vor Schritt gegen meine Angst an, die mich (warum auch immer) bei Schneefeldern immer wieder aufs neue komplett blockiert.

Auf der Coburger Hütte angekommen genießen wir den fantastischen Ausblick über den Seebensee und richten uns im gemütlichen Winterraum ein. Im Häuschen der Materialseilbahn gibt es ein kleines Matratzenlager und in der Stube steht sogar ein Holzofen. Allerdings ist um diese Jahreszeit das Holz restlos aufgebraucht. Gut, dass wir extra den Gaskocher eingepackt haben! Nach einer zünftigen Brotzeit und Zähneputzen mit Aussicht, kuscheln wir uns in die Schlafsäcke und beglückwünschen uns selbst zu der grandiosen Idee, dass wir am Morgen ins Auto gestiegen sind, um ein wenig Abenteuerluft zu schnuppern.

Übernachtung im Winterraum

In der Nacht zieht Gewitter auf. Es stürmt und regnet, aber im Winterraum der Coburger Hütte sind wir sicher und unsere neuen Schlafsäcke entpuppen sich als absoluter Glücksgriff: die sind nämlich nicht nur kuschelig und sehen gut aus, sondern halten auch einwandfrei warm.
Am nächsten Morgen erwartet uns feinstes Kaiserwetter: strahlend blauer Himmel und Sonnenschein.

Wir lassen uns Zeit und starten ganz entspannt mit Kaffee und Nutellabrot in den Tag. Dort sitze ich also an der Hauswand, mit der Sonne im Gesicht und den Bergen vor der Nase und bin einfach glücklich im Hier und Jetzt.

Sometimes life is about doing. You don’t need a reason for everything in your life. Do it because you want to. Because it’s fun. Because it makes you happy. And because the memories will last forever. #mountaingirl

 

Vom OP-Tisch Auf Die Skipiste: Teil 2

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Der Sommer 2017 sollte mein Bergsommer werden! Beruflich lief es gut, auch privat gab’s kein Grund sich zu beschweren. Alles in allem begann das letzte Jahr mit einem angenehmen Flow – bis sich plötzlich mit einem lauten Knall das Leben einmischte. Was passiert ist, hab ich euch bereits hier erzählt.

Also ich also, an diesem besagten Abend fix und fertig bei strömendem Regen von der Physiotherapie nach Hause kam und wie ein (wortwörtlich) begossener Pudel im Hausflur stand, zog es mir den Boden unter den Füßen weg, als ich völlig unerwartet meine sofortige fristlose Kündigung aus dem Briefkasten zog. In diesem Moment schaltete mein Körper von einem Moment auf den anderen in den Überlebensmodus.

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Am Ende wird alles gut? Scheiss auf das Ende!

Mein gesamtes Kartenhaus namens “Leben” stürzte vor meinen Augen zusammen und ich saß wie ein Häufchen Elend daneben, weinte und war wütend. Auf alles und jeden. Auf den Berg. Mein Knie. Auf die Krücken. Den Job. Und das Schicksal. Was bitte sollte das alles? Am Ende wird alles gut? Scheiss auf das Ende! Ich wollte das jetzt – JETZT SOFORT – alles wieder gut ist. Aber wir sind alle erwachsene Menschen und wissen, dass es so nicht funktioniert. Krisen sind dazu da, um durchgestanden zu werden. Und sein wir doch mal ehrlich: irgendwie überleben wir’s doch immer.

Zu diesem Zeitpunkt konnte mir niemand meiner Ärzte sagen, wie lange es dauern würde, bis ich wieder arbeiten könnte. Also beantragte ich Krankengeld und konzentrierte mich erst mal auf die Regeneration meines Knies. Wie mein Vater so treffend feststellte: “Solange du nicht mal laufen kannst, musst du auch zu keinem Bewerbungsgespräch gehen!” Es war eine schreckliche Zeit. Mein Highlight waren die regelmäßigen Termine bei der Physio, die mir wenigstens drei Mal in der Woche einen Grund gaben mich anzuziehen und das Bett zu verlassen.

Schlittenfahren_2017_Meissner_01

Schlittenfahren_2017_Meissner_01

 

Einen Vorteil hatte diese Post-OP-Phase allerdings: ich hatte plötzlich extrem viel Zeit.
In den vergangen Jahren hab ich durch Stress, Druck und Zeitmangel viele zweckmäßige und vernünftige Entscheidungen getroffen. Entscheidungen die sich vielleicht nicht immer gut anfühlten, aber stets aus der Not heraus richtig erschienen. Nun kam ich das erste Mal seit fast 7 Jahren in den puren Genuss der Entschleunigung. Und wer so viel Zeit hat, muss sich über kurz oder lang zwangsläufig in dieser Zeit mit sich selbst auseinandersetzen – ob man will oder nicht. Also entschied ich abzurechnen. Mit mir, den letzten Jahren, beruflich genauso wie privat. Ich zog Bilanz.

Tu immer das, wovor du am meisten Angst hast!

Viele Lifecoaching-Bücher, Podcasts und Pro-Contra-Listen später kam ich zu dem Entschluss, dass ich so nicht weiter machen möchte. Seit Jahren hatte ich das Gefühl dringend etwas ändern zu müssen, aber mir fehlte der Mut. Jetzt stand ich da – mit Nichts in der Hand und musste von vorne anfangen. Mit dem Laufen und mit der Arbeit. Also: wenn nicht jetzt, wann dann?

Wenn nicht jetzt wann dann?

Schon als Kind hatte ich in jedes Freundebuch geschrieben, dass ich gerne Lehrer werden möchte, wenn ich groß bin. Seit Jahren drückte ich mich aufgrund meiner enormen Prüfungsangst vor einem Studium weil ich Angst hatte, nicht gut genug zu sein. Schluss damit! Ich bewarb mich an der Universität. Geschichte und Englisch – Lehramt Gymnasium. Obwohl mir meine Englischlehrerin immer wieder gesagt hatte, dass ich im Englisch LK völlig deplatziert war, meldete ich mich für den Cambridge Test an, bestand deutlich besser als erwartet und konnte mich an der Uni einschreiben. Endlich wieder eine Perspektive! Der erste Schritt war geschafft. Ab dem 15. September sollte ich offiziell Studentin an der Universität in Kassel sein. Was ein Freiheitsschlag – ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie unglaublich stolz ich war als die Einschreibebestätigung in meinem Briefkasten lag!

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Skifahren_2018_Kaunertal_03
Skifahren_2017_Kaunertal_03

In Hamburg sagt man Tschüss

Allerdings galt es noch eine letzte Hürde zu nehmen: ich hatte mich in Kassel an der Universität beworben. Das hieß zwangsläufig, dass ich mein geliebtes Hamburg verlassen musste. Ein Nachmieter für die Wohnung war im Handumdrehen gefunden und viel zu schnell saß ich auf gepackten Kartons in der kahlen Wohnung. Es war ein schwerer Abschied. Noch heute wird mir das Herz schwer wenn ich an mein geliebtes Hamburger Zuhause denke. Aber es war der Start in ein neues Abenteuer das schon lange überfällig war. Mit gemischten Gefühlen zog ich also am 01. September 2017 in meine neue Kassler Wohnung ein.

Vom OP-Tisch auf die Skipiste

Wie es mit meinem Knie weiter ging und ob ich es geschafft habe zum Saisonstart wieder auf den Bretten zu stehen?

… Fortsetzung folgt …

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Vom OP-Tisch auf die Skipiste: Teil 1

Endlich ist es so weit: es schneit und schneit und schneit …
Nach und nach eröffnet ein Skigebiet nach dem anderen die heiligen Tore. Lange hat es nicht mehr einen solch schneereichen Saisonstart gegeben. Auch ich konnte es einfach nicht mehr abwarten und habe die Skisaison 2017/2017 schon mit Tag 1 und 2 eingeleitet.

Nach meinem Unfall in den Dolomiten und der daraus resultierenden Knie-OP im Juli habe ich ein Ziel niemals aus den Augen verloren: ich wollte unbedingt zum Saison-Opening im Oktober wieder auf zwei Brettern stehen! Dass dieses Ziel recht überambitioniert war, stellte sich ziemlich schnell heraus, aber die Hoffnung stirbt zuletzt: Ich wollte es unbedingt vor Weihnachten 2017 noch auf die Piste schaffen!

An dieser Stelle ist nach vielen vielen Fragen, Genesungswünschen und Daumen drücken auf Social Media nun endlich der Zeitpunkt gekommen ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Deswegen gibt es heute für euch meine Story 2017: vom OP Tisch auf die Skipiste: Teil 1.

Vom OP-Tisch auf die Skipiste

Im vergangenen Jahr manifestierte sich in meinem Kopf die Idee im Sommer 2017 mehrere Gipfel zu erklimmen. Unter anderem sollte es die Zugspitze und der Großglockner sein. Kein leichtes Ziel für eine Hamburger Deern, aber eine Herausforderung auf die ich mich akribisch und mit großer Leidenschaft vorbereitete. Hinzu kam, dass ich ein zweites Mal die Alpenüberquerung laufen und endlich die Watzmann-Überquerung meistern wollte. Als ich dann von Bergans eingeladen wurde beim Projekt Gipfelglück im Juni auf den Großglockner zu steigen gab  kein Halten mehr und es war klar: der Sommer 2017 sollte mein Bergsommer werden! Beruflich lief es gut, auch privat gab’s kein Grund sich zu beschweren. Alles in allem begann mein Jahr mit einem angenehmen Flow – bis sich plötzlich mit einem lauten Knall das Leben einmischte.

Beim Zustieg in den Dolomiten stürzte ich und meine Kniescheibe verabschiedete sich – mit ihr der Knorpel und das MPFL Band meines linken Knies. Ich kletterte zunächst weiter und quälte mich mit dem MTB noch den Berg bis zu Dolomitenhütte hinunter. Allerdings war schnell klar, dass ich wohl eher ein Fall für den Heli gewesen wäre. Nachdem ich mich selbst die 10h von Lienz nach Kassel zurück gefahren hatte, war nach einem Besuch in der Notaufnahme klar, dass mein Knie ziemlich gelitten hatte und ich um eine kurzfristige Knie-OP nicht herum kommen würde.

Anekdote meiner Heimfahrt: ich hielt in regelmäßigen Abständen beim Restaurant zum Goldenen M um mangels Kühlpad mit Getränkeeis mein Knie zu kühlen. – Not macht erfinderisch. 😉

 

Was führt mein Leben da gerade im Schilde?

In dem Moment, indem mir der Orthopäde meine Diagnose mitteilte brach für mich eine Welt zusammen. Man sieht mich nicht oft weinen, aber an diesem Morgen in der Hamburger Orthopädie-Praxis hat es mir den Teppich unter den Füßen weggezogen. Die Prophezeiung des Arztes: kein Wandern, kein Skifahren und kein Klettern mehr. Kurzum: zukünftig keine kniebelastenden Tätigkeiten.
Ich hab keine Ahnung mehr wie ich an diesem Morgen zurück nach Hause gekommen bin. Ich erinnere mich nur noch daran, wie ich vollkommen fassungslos, wütend und am Boden zerstört Zuhause saß und mir immer und immer wieder die Frage durch den Kopf ging: Was hat mein Leben in Gottes Namen gerade mit mir vor???
Nach Jahren des Kampfes gegen die Depression habe ich in den letzten Jahren endlich meinen Herzensplatz in den Bergen gefunden – meine große Leidenschaft fürs Wandern, Bergsteigen und Skifahren entdeckt und nach und nach gelernt mit der positiven Energie aus den Bergen die dunklen Gedanken in Schacht zu halten. Und nun DAS – was für eine Scheisse!

Day 1 

Am 13. Juli 2017 war dann der große Tag gekommen und ich kam unters Messer. In der Parkklinik Manhagen wurde unter Vollnarkose eine MPFL-Plastik vorgenommen, Splitter aus dem Gewebe entfernt und mein kaputter Knorpel versorgt. Im Voraus hatte ich mir zahlreiche YouTube Videos und OP-Berichte im Internet angeschaut bzw. gelesen, um mich gedanklich auf das Schlimmste einzustellen: Drainage und Schmerzen bis zum Umfallen (wortwörtlich). Aufgrund meiner massiven Angst vor Spritzen hatte ich mich gegen einen Schmerzkatheter entschieden und lies mir einen Nerv im linken Bein betäuben. Das hatte zwar zur Konsequenz, dass ich mein linken Bein die ersten 24h nach der OP nicht bewegen konnte, allerdings sollte ich so vor den schlimmsten Schmerzen verschont bleiben.

Der erste klitzeklein Hoffnungsschimmer im Aufwachraum: eine Drainage hatten sie mir im OP nicht gelegt. Eine ganz besonders nette Geste: an der Wand hing ein Bild vom Tiroler Alpenpanorama. Ich war erstaunt wie gut ich die Narkose verkraftete und mampfte schon noch 1,5h mit großem Appetit mein Käsebrot zum Abendessen.

Nach zwei Nächten in der Parkklinik wurde ich entlassen. Gott sei Dank waren meine Eltern nach Hamburg gekommen um mich nach Hause zu fahren, denn in dem Moment als ich die vertrauten vier Wände des Krankenhauses verlies empfing mich die grausame Realität mit einem heftigen Schlag: das Einsteigen ins Auto mit Krücken und einem steifen Bein war ein Kampf, jeder Gang auf die Toilette musste im Voraus geplant werden und die aller größte Herausforderung für mich als Nadelhasser: die Insulin-Spritzen, die ich mir zwei Wochen lang jeden Abend selbst setzen musste.

Das Leben nach der OP

Ich quälte mich 2 mal die Woche zur Physiotherapie und versuchte täglich vor die Tür zu gehen und mich im Rahmen meiner Möglichkeiten zu bewegen. Es stellte sich eine gewisse “Krankheitsroutine” ein und ich war positiv überrascht: die Schmerzen hielten sich, zumindest tagsüber, in Grenzen. Die Nächte hingegen waren der absolute Horror, ich schlief kaum, hatte Schmerzen und meine Gedanken verselbstständigten sich: was wenn ich nie wieder laufen können würde?

Es ging mir psychisch immer schlechter. Mir fehlte die körperliche Bewegung, die Leichtigkeit des Alltags und es setzte mir schwer zu, dass all meine Bergpläne, auf die ich so lange hintrainiert hatte, von einem Tag auf den andern in ungreifbare Ferne gerückt waren.
Und dann kam dieser Abend, an dem ich fix und fertig von der Physiotherapie nach Hause kam. Es hatte geregnet, ich konnte aufgrund der Krücken keinen Schirm halten und meine Regenjacke lag Zuhause – wie ein begossener Pudel kam ich Zuhause an, leerte den Briefkasten und hielt meine sofortige fristlose Kündigung in den Händen.

… Fortsetzung folgt …

Wandern rund um den Dörnberg im Naturpark Habichtswald

Es gibt kein schlechtes Wetter – es gibt nur schlechte Kleidung! Nicht zum ersten Mal hat mich dieser Grundsatz trotz Regenvorhersage und Sturmtief nach draußen getrieben. Dick eingepackt in Primaloft und Hardshelljacke ging es los in Richtung Dörnberg.

Bei Instagram war ich vor kurzem durch Zufall auf ein Bild vom Hohen Dörrberg im Naturpark Habichtswald gestoßen und hatte mich schon die ganze Woche auf diesen Ausflug gefreut. Nach einer guten halben Stunde Autofahrt von Kassel aus, parke ich also mein Auto am Parkplatz des Bergcafé “Friedrichstein”, schnüre die Wanderschuhe und marschiere los.

Eco Pfad Archäologie Dörnberg im Naturpark Habichtswald

Der Parkplatz ist der perfekte Ausgangsort für die Rundwanderung auf dem Eco Pfad welcher mich laut Wanderführer einmal rund um das Dörnbergassiv herum führen soll. An dieser Stelle muss ich allerdings zugeben, dass ich mich aufgrund meines angeschlagenen Knies erst mal wieder ganz langsam ans Wandern herantasten muss und somit auch nicht den gesamten Weg gelaufen bin.

Meine verkürzte Wandertour führte mich vom Islandpferdehof Friedrichstein aus zunächst durch ein kurzes Waldstück, später quer über eine Weide stetig bergauf bis zum Hohlestein (476,6m). Der Zustieg ist bei schlechtem Wetter nicht zu empfehlen und es wird ausdrücklich davor gewarnt – ich muss gestehen: die Warnung ist durchaus berechtigt! Es hatte Tags zuvor ordentlich geregnet und der Boden ist extrem rutschig und aufgeweicht. Dank gutem Schuhwerk komme ich aber dennoch heile oben an – heilfroh darüber, dass ich dank des Rundweges nicht die selbe glitschige Strecke bergab nehmen muss um zurück zu kommen. 😉

Vom Hohlestein aus geht es zunächst wieder bergab. Diesmal quere ich die Flug- und Landebahn des Segelfliegervereins Dörnberg. Trotz des aufziehenden Sturms ziehen die Flieger ihre stillen Kreise hoch über mir. Ob sie mich von dort oben wohl genauso beobachten wie ich sie von hier unten?

Weitblick vom Helfenstein

Kurz und knackig geht es nochmals über die Wiese bergauf bis ich endlich am Fuße des ca 510 Meter hohen Helfensteins stehe. Am südlichen Helfenstein gibt es eine Art Treppe und natürlich lasse ich es mir nicht nehmen trotz Knieprobleme rauf zu kraxeln. (Runter kommt man ja bekanntlich immer irgendwie. ;))

Und was soll ich sagen?! Es sich gelohnt.
Es windet wie verrückt, einmal mehr bin ich froh die dicke Jacke angezogen zu haben – aber die Aussicht ist sensationell. Ich stehe alleine dort oben auf diesem Felsen, der Wind saust mir um die Ohren und zu meinen Füßen erstreckt sich ein kunterbunt gefärbter Laubwald wie er schöner nicht sein könnte. Einmal mehr spüre ich, wie sehr mir das Wandern in den letzten Wochen und Monaten gefehlt hat und mich erfüllt ein unglaublicher Stolz, dass ich es seit meinem Unfall zumindest wieder so weit geschafft habe, hier und jetzt aus eigener Kraft stehen zu können.

TOURENINFO: Eco Pfad Archäologie Dörnberg im Naturpark Habichtswald

Für den Eco Pfad Archäologie Dörnberg wird festes Schuhwerk empfohlen.
Außerdem ist Vorsicht geboten: Der Weg führt über eine Viehweide mit einem Elektrozaun!
Der Aufstieg auf den Hohlestein ist sehr schwierig und nur für geübte Kletterer geeignet!(Aufstieg auf eigene Gefahr, Haftung ausgeschlossen)

Adresse für Anfahrt mit dem Auto + Parkmöglichkeiten:
Bergcafe Friedrichstein
Friedrichshain 7, 34289 Zierenberg

Distanz: 9,6 km*
Dauer: 15 Std*
Aufstieg: 390 m*
Abstieg: 390 m*
*Achtung: Die Angaben beziehen sich auf den gesamten Rundweg! 

Einkehrmöglichkeiten:
• Bergcafe Friedrichstein
• Zentrum Helfensteine
• Gaststätte Dörnberghaus

Klettern in den Lienzer Dolomiten

Vor einigen Wochen flatterte eine Mail in mein Postfach über die ich mich ganz besonders freute: Bergans lädt zusammen mit der Wienerin und dem Tourismusverband Osttirol zum Klettern in den Lienzer Dolomiten und anschließender Großglocknerbesteigung ein. JACKPOT! Wer mich schon länger kennt weiß, dass der Großglockner ganz oben auf meiner Bucketlist steht. Und beim Thema Kletten, noch dazu in den Lienzer Dolomiten, war ich natürlich auch gleich Feuer und Flamme.

Noch am selben Tag telefonierte ich also mit der lieben Monika , die das #ProjektGipfelglück organisiert und wir machen das Spontanabenteuer dingfest. 5 Tage Klettern in den Lienzer Dolomiten Ende Juni – hach was war die Freude groß. 🙂 Mit dem Auto ging es von Hamburg Richtung Osttirol. Treffpunkt an einem wunderschönen sonnigen Samstag Morgen war die Dolomitenhütte. Hier traf ich auch zum ersten Mal auf unsere 6 Bergführerinnen, die das #ProjektGipfelglück begleiten und die anderen 11 Powergirls die genauso gespannt wie ich, mit leuchtenden Augen, den kommenden Tagen entgegenfieberten.

Klettern in den Lienzer Dolomiten

Nach einem allgemeinen Hallo gab’s zuerst einmal ein riesengroßes Überraschungspaket von meiner absoluten Lieblings-Outdoormarke. Bergans of Norway hat sich nicht lumpen lassen und stattete uns zu Beginn des Abenteuers allesamt mit einem supercoolen bergtauglichen Outfit aus. Optisch und größentechnisch gab’s sofort ne Bestnote von allen Gipfelglück Mädels. Die Funktion sollte in den nächsten Tagen noch ausgiebig getestet werden. 😉 Perfekt ausgerüstet stand einer tollen Zeit in den Lienzer Dolomiten also nichts mehr im Wege!

Unser Ziel an Tag 1: die Karlsbader Hütte

Es gab für uns zwei Optionen auf die Karlsbader Hütte zu kommen. Entweder über den Klettersteig oder via Bügeleisenkante. Selbstkritisch wie ich bin, wollte ich natürlich als einziger Flachlandtouri unter all den geborenen Bergmädels den Mund nicht zu voll nehmen und wählte mich in die Klettersteig Gruppe mit ein. Erst mal gemütlich anfangen, die Gruppe abchecken, schauen was die anderen so drauf haben und dann sehn wir weiter …

Pustekuchen. Monika gab meinem Selbstbewusstsein einen ordentlich Tritt und beförderte mich schnurstracks ins Kletterteam. Widerstand zwecklos. Ein Klettersteigset durfte ich gar nicht erst in den Rucksack packen. Somit war mein Schicksal für die nächsten Tage wohl besiegelt und ich fügte mich stillschweigend.

Lienzer Dolomitenhütte – Rudl Ellersteig – Bügeleisenkante

Über den Rudl-Ellersteig (teilweise versichert) steigen wir auf in Richtung Hohes Törl. Nach ca. 1,5h erreichen wir die Westschlucht und legen eine kleine Pause ein. Schnell einen Espresso zur Stärkung  – ein Hoch auf die Handpresse – Helm auf, Schuhe wechseln, Ausrüstung an und los geht’s. Der Einstieg zur Bügeleisenkante ist dank Hinweistafel am markierten Weg nicht zu übersehen. Da es mittlerweile schon Mittag ist, klettern wir bei strahlendem Sonnenschein und können es so richtig geniessen. Ich – noch immer etwas überrascht, dass ich im Seil hänge statt am Klettersteig zu gehen – merke nach den ersten paar Seillängen wie ich mich langsam entspanne und ankomme am Berg.

Die Bügeleisenkante – ein Klassiker seit 1969

Die Bügeleisenkante ist ein absoluter Klassiker in den Lienzer Dolomiten. Vom Parkplatz der Dolomitenhütte bequem zu erreichen beginnt die Route gleich mit eine Schlüsselstelle (4) wird aber nach oben hin immer leichter (3+). Die Bügeleisenkante ist eine wunderschöne einfache Genusskletterei in 13 Seillängen die locker in 2-3h zu bewältigen ist. (Wir sind den letzten Teil sogar ohne Sicherung hoch gelaufen.) Benötigt werden 50m Einfachseil und natürlich (immer dabei!) ein Kletterhelm.

Willkommen im Kletterparadies

Nach ca. 2h erreichen wir den Laserzwandsattel und steigen übers Schotterfeld zur Karlsbader Hütte ab (ca. 30min Fussmarsch). Alternativ gibt es einen markierten Wanderweg der zur Hütte führt. Von der Karlsbader Hütte aus ist es problemlos möglich über die Forstraße wieder runter zur Lienzer Dolomitenhütte zu laufen – eine schöne Tagestour!
Für uns endet aber der erste Tag des #ProjektGipfelglück auf der Karlsbader Hütte (2260m). Wir bleiben die nächsten zwei Nächte hier und werden uns im Kletterparadies der Lienzer Dolomiten ordentlich austoben.


 

Es ist eine tolle Truppe mit der wir da beim #ProjektGipfelglück unterwegs waren und ich merke gerade auch beim Schreiben dieses Blogposts wieder, wie wohl ich mich gefühlt habe. Wir waren ein bunter Haufen mit lauter Powergirls jeglichen Alters und war eine wahnsinnig tolle Erfahrung mal nur mit Frauen am Berg unterwegs zu sein. Vielen lieben Dank an dieser Stelle noch mal an Bergans of Norway, die Wienerin und den Tourismusverband Osttirol, dass ich bei diesem Abenteuer dabei sein durfte! Ebenfalls ein dickes Dankeschön an die Dolomitenhütte und die Karlsbader Hütte für die super nette und äußerst leckere Bewirtung! <3

Rundtour Kaisergebirge – Tag 2: Bettlersteig

Nach einer entspannten Nacht und einem ausgiebigen Frühstück am Weinbergerhaus steht für uns am zweiten Tag am Kaisergebirge der Bettlersteig auf dem Programm. Allerdings beschließen wir spontan eine kleine Variation zu laufen, um den Gamskogel noch mitzunehmen.
Klar – Gipfel die Gamskogel heißen gibt es viele, aber eben jener Gamskogel ist doch ein kleines Highlight auf unserer Wanderung: trotz geringer Höhe werden wir nach dem 950 Hm Aufstieg mit einem atemberaubenden Ausblick zum gegenüberliegenden Kaisertal, unserem Ziel- dem Stripsenjoch und (nicht zu vergessen) dem zahmen und wilden Kaiser belohnt.

Durch den Märchenwald zum Gamskogel

Der Weg vom Weinbergerhaus führt zunächst über breite Forstwege bergab bis zum Brentenjoch (1.200 hm). Von hier aus geht es halb links über einen unscheinbaren Pfad stetig bergauf.  Ab hier wird der Weg in Richtung Gipfel ein wenig anspruchsvoller und ist konditionell nicht zu unterschätzen. Der Aufstieg schlängelt sich auf einem märchenhaften Pfad durch den Wald, bis sich die Bäume lichten und wir nach ca 45 min den Gipfel samt Gipfelkreuz auf 1.450 Hm erreichen.

 

Nach eine kurzen Trink- und Fotopause geht’s frohen Mutes und flotten Schrittes weiter: vom Gamskogel aus kämpfen wir uns zunächst durch steil abfallendes Gelände, später durch den Wald und dann über idyllische Almwiesen. Keine Menschenseele kommt uns entgegen. Die Sonne scheint und der Himmel ist strahlend blau – wir fühlen uns wie im Paradies.
Nach ca 2h treffen wir mitten auf der Alm auf die Abzweigung in Richtung Bettlersteig.

Ausgesetzte Wege und Drahtseilsicherung am Bettlersteig

Der Bettlersteig beginnt für uns mit der Durchquerung einer Schlucht. Trittsicherheit ist hier dringend erforderlich: der Winter hat Spuren hinterlassen, lose Steine überall und rutschige Schotterwege. Gott sei Dank war es die letzten Tage recht trocken, sodass der Waldboden nicht matschig ist. Teilweise geht es rechts steil hinunter, Treppen weisen uns den Weg bergab und erleichtern den Abstieg. Wieder einmal bin ich froh um meine Stöcke mit denen ich seit letztem Jahr unterwegs bin!

Wir stoßen auf eine kurze Passage an denen der Weg ausgesetzt und mit Drahtseil abgesichert ist. Es geht steil bergab, aber gemeinschaftlich bewältigen wir auch diese Schwierigkeit und wandern mit guter Laune weiter zum nächsten Sattel, wo nach einem knackigen Anstieg über saftige Almwiesen die Jagdhütte Straßwalch auftaucht. Wir fühlen uns als hätten wir gerade eine Kulisse von “Heidi” betreten. Es würde mich nicht wundern, wenn gleich der Ziegenpeter pfeifend um die Ecke kommt. Die Jagdhütte bietet einen schönen Platz zur Rast, es gibt sogar einen Brunnen um die Wasserflaschen aufzufüllen.

Von der Jagdhütte Straßwalch zum Hinterbärenbad

Doch uns zieht es weiter. Wir haben schon genug getrödelt heute und haben noch einiges vor uns. Über Bäche und bequeme Waldwege wandern wir weiter Richtung Hinterbärenbad. In den letzten 30min durchqueren wir insgesamt 6 Bäche und lassen es uns nicht nehmen unsere Flaschen mit dem klaren Quellwasser zu füllen. Es schmeckt fantastisch!
Der Steig ist gut ausgebaut und wir erreichen nach ca. 4h entspanntem Gehen das Anton-Karg-Haus (früher als Hinterbärenbad bekannt) auf 325Hm. Langsam werden die Beine müde und wir beschliessen noch 15 min weiter zu laufen bis zum Hans-Berger-Haus wo wir bei Radler und Spinatknödeln eine ausgiebige Rast einlegen bevor wir den letzten Aufstieg des Tages in Angriff nehmen.

Vom Hans-Berger-Haus auf die “Strips”

Auf 1.577hm thront hoch über uns das Stripsenjochhaus – unser heutiges Tagesziel. Nach der längeren Pause merken wir, dass uns die letzten 4h Gehzeit schon ziemlich in den Beinen stecken, aber gemeinsam packen wir’s an: 1,5h Aufstieg und 640Hm liegen vor uns.
Direkt hinterm Hans-Berger-Haus wird der bisherige bequeme Wanderweg zum Steig. Mit imposantem Einblick in die berühmte Totenkirchlwestwand, windet er sich in Serpentinen nach oben. Das Wetter verschlechtert sich zunehmend und wir erreichen die “Strips” nach einem flottem Marsch bergauf. Empfangen werden wir mit kräftigem Wind und Nieselregen. Der Nebel hängt dicht zwischen den Gipfeln – sehen tun wir leider nicht viel.
Umso mehr freuen wir uns über eine warme Dusche, den heißen Ofen in der Gaststube und eine wärmende Gulaschsuppe.

Rundtour Kaisergebirge – Tag 1: Weinbergerhaus

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Wenn der Berg schon bis nach Hamburg ruft, wird es dringend Zeit mal wieder in den Süden zu fahren. Wir haben das lange Christi Himmelfahrt Wochenende genutzt um die Wandersaison einzuläuten und sind zu viert aufgebrochen, um das Kaisergebirge zu erkunden.

Wandern am Wilden Kaiser

Da das Kaisergebirge eher als Klettermekka bekannt ist, war die Planung der Tour für mich persönlich eine ganz besondere Challenge: unbekanntes Gebiet, hohes Wetterrisiko und verhältnismäßig wenige Hütten. Außerdem war es für zwei aus unserer Truppe die erste mehrtägige Wanderung und die erste Hüttentour in Tirol sollte schließlich nicht im absoluten Desaster enden.

Nach eingehender Recherche hatten wir uns dazu entschieden, die Wanderung am Kaiserlift in Kufstein zu beginnen und über den Bettlersteig zunächst einmal aufs Stripsenjochhaus aufzusteigen. Mit Hilfe einer eigenes von mir erstellen Packliste, waren die Rucksäcke schnell geschnürt und los ging es am frühen Morgen von Hamburg in Richtung Kaisergebirge.

Eigentlich wollten wir am ersten Abend zum “einlaufen” vom Parkplatz Kaiserlift bis hoch zum Weinbergerhaus laufen. Nachdem uns aber auf der 10-stündigen Autofahrt von Hamburg nach Kufstein die Klimaanlage im Stich gelassen hatte, gönnen wir uns den Luxus und fahren mit der Sesselbahn zwei Stationen auf den Stadtberg. Im Nachhinein muss sich sogar sagen, es war ein Erlebnis das ich nicht hätte verpassen wollen. Der Kaiserlift entpuppt sich nämlich als Einer-Sessellift welcher erst 2014 komplett restauriert wurde – Nostalgie pur!

Willkommen im Kaisergebirge

Nach 20 min entspannter Fahrt erwartet uns oben am Berg ein unberührtes Naturparadies. Von der Bergstation aus sind es nur noch wenige Meter bis zum Weinbergerhaus welches wunderhübsch auf 1272 Hm über Kufstein am Berg drohnt. Kaum den Rucksack abgesetzt und das erste Radler bestellt, holt mich die Aussicht sofort ins Hier und Jetzt. Endlich bin ich wieder da wo ich hingehöre. In Österreich, am Berg mit Rucksack und Wanderschuhen. Mehr braucht es nicht um glücklich zu sein.

Weinbergerhaus = Apfelstrudelhimmel

Im Weinbergerhaus verbringen wir unsere erste Nacht – leider keine DAV Hütte, dafür aber überdurchschnittlicher Komfort! Für ca 50€ schlafen wir in sehr bequemen Hochbetten, inkl. Frühstück, Bettwäsche und Handtüchern – was ein Service! Und das Essen ist ein Traum. Mein persönliches Highlight: die selbst geschabten Kasspatzen und der hausgemachte Apfelstrudel. Unbedingt probieren wenn ihr mal dort seid!